Saint Augustine, Dienstag, 25.11.2014

Robert Kluge

 Commercial Pilot mit Examiner Rich

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Andreas beim Preflight der Duchess

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 Steepturn

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Parallelanflug mit Marineflugzeug P-3

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Parallellandung mit P-3

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 Abendlicher Anflug auf St. Augustine

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Vorweihnachtszeit im Kennedy-Space-Center

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Nico vor der Atlantis

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Robert auf der Seaplane-Cub

Hier endlich die wesentlichen Nachträge aus Saint Augustine einschließlich des Prüfungsergebnisses.

Am Mittwoch (19.11.) fand der letzte Flug mit Matthew, meinem „Hauptfluglehrer“, statt, der am Donnerstag leider ausgebucht war. Ging soweit ganz gut, hätte aber natürlich auch besser sein können. Beim Heimflug über den Einflugpunkt „Blue Watertower“ wurden wir wegen viel Betriebs umgeleitet zum „Lighthouse“, einem historischen Leuchtturm auf Anastasia Island vor Saint Augustine. Dort drehte ich auf Anweisung der Controllerin über zehn Minuten Kreise um den Turm – irgendwie war an diesem Abend verkehrstechnisch komplett der Wurm drin. Lag wohl (mal wieder) an der Landung des Frontier-Airbus‘, der hier neuerdings manchmal den Betrieb aufmischt.

Was gar nicht gut ging war Schlafen in der Nacht zum Donnerstag: massives Bauchgrummeln, dauernd irgendwas nachgeschaut, was thematisch gerade ins Hirn schoss – grausam!

Der letzte Flug vor der Prüfung fand am Donnerstag mit dem netten Ägypter Mohamed Khalil statt. An Lazy Eights und Chandelle hatte er (zu recht) einiges auszusetzen, angeblich stand plötzlich die linke Tragfläche in Flammen, was mich auch erst mal aus der Fassung brachte (bislang „brannte“ immer nur der Motor). Flugtechnisch war damit dann die Vorbereitung abgeschlossen.

Die folgende Nacht war extrem kurz. Ich habe am Abend „daheim“ im Condo den langen Überlandflug vorbereitet, Streckenabschnitte berechnet, mich von Andreas beraten lassen, wollte eigentlich Punkt sechs alles fallen lassen, aber daran war nicht zu denken. Um neun habe ich endlich aufgehört, fühlte mich mehr oder weniger gut vorbereitet und ging zum bereits zweiten Mal in Folge in eine schöne warme Wanne, um irgendwie zu entspannen – ohne großen Erfolg.

21.11.2014: Es ist endlich soweit- Checkride für den Erwerb des Berufspilotenscheins (CPL)!

Die Nacht war bescheiden, von Ruhe und Entspannung keine Spur. Das Wetter sehr gut, kaum Wolken, wenig Wind. Ich war schon deutlich vor acht in der Flugschule, um das aktuelle Wetter und die NOTAMs für den Flug zu holen. Als Rich, der Prüfer kam, dauerte es wieder über eine Stunde, bis alle Preliminarien erledigt waren, darunter die exakte Überprüfung aller vorausgesetzten Streckenflüge, die hier auch nach Scheinerhalt teilweise solo durchgeführt sein müssen – warum auch immer. Danach unterhielten sich Rich und mein Lehrer Matthew in meiner Anwesenheit noch über eine halbe Stunde mehr oder minder privat, während ich hoffte, dass das hochnotpeinliche Verhör endlich beginnen möge und ich mich meines Wissens entledigen könne.

Das Oral Exam lief ganz gut, bis auf den Moment, da ich trotz beharrlichen Nachfragens darauf bestehen wollte, dass ein dick magentafarben markierter Luftraum „Class B“ und nicht „Class C“ sei – einfach die Reihenfolge der Buchstaben im Alphabet verwechselt!

Nach knapp zwei Stunden Befragung ging es dann zum Flugzeug, das ich kurz vorher gecheckt hatte. Beim kurzen Pre-Takeoff-Emergency-Briefing zeigte mir Prüfer Rich dann, wie es richtige Profis machen, nachdem ihn meine zu zögerlichen Überlegungen nicht recht überzeugen konnten: Im Singsang-Stil amerikanischer Versteigerungen ergoss sich ein Redeschwall über mich, der mir den Kopf kreisen ließ!

Während des ersten Überlandabschnitts entdeckte ich auf nahezu gleicher Höhe einen P-3-Aufklärer der Navy („Orion“), der unseren Flugweg in einiger Entfernung kreuzte. Rich deutete an, ein MG zu halten, rief „Tally-ho“ und simulierte den Abschuss. Cowboy! Ich darf wiederholen, dass Rich in einem anderen Leben Kampfhubschrauber geflogen hat, auch in Deutschland, von Wiesbaden aus…

Zum fliegerischen Teil des Checkrides möchte ich nur erwähnen, dass er zwei Stunden und zwölf Minuten gedauert hat und von Defiziten und Aussetzern durchsetzt war, ich es aber letztlich GESCHAFFT habe und nun FFA-examinierter Commercial Pilot mit IFR-Rating bin! Zitat Rich aus dem längeren Debriefing: „… but your overall handling of the airplane was fine!“ O.k., das hatte ich gestern von Mohammed auch schon gehört – scheint also was dran zu sein.

Ein wichtiger Abschnitt der Berufspilotenausbildung ist damit abgeschlossen, aber es wird ganz sicher weitergehen! Danke, Rich!

Am Nachmittag dann durfte ich Andreas und seinen Lehrer Shaun in der zweimotorigen Beechcraft Duchess begleiten, was auch wieder eine einmalige Erfahrung war. Die Ausbildung zum Führen zweimotoriger Flugzeuge umfasst vor allem Übungen zur Beherrschung des Flugzeugs, wenn ein Triebwerk ausgefallen ist, womit neben 50prozentigem Leistungsverlust auch ein deutlich asymmetrisches Flugverhalten einhergeht, dass es zu beherrschen gilt.

Bei zwei (einmotorigen) Anflügen auf Cecil bei Jacksonville hatten wir dann das Vergnügen, parallel von einer viermotorigen „Orion“ der Navy begleitet, überholt und unterflogen zu werden. War ein eindrucksvolles Schauspiel aus dem hinteren Sitz. Für die Fotos musste ich mich etwas bewegen, was Andreas das Handling des kleinen Flugzeugs durch die Lastigkeitsänderungen spürbar erschwert hat. ‚tschuldigung!

Am Sonnabend (22.11.) war es schwülwarm, und wir Nicht-Prüflinge scherzten, dass die drückende Hitze wohl darauf zurückzuführen sein muss, dass der Zwickauer Nico gerade bei Rich in der Prüfung schwitzt. Dem war aber nicht so, denn aus unerfindlichen Gründen (Wetter?) ließ Rich trotz bereits erfolgter Anfahrt die Prüfung nach einigem Hin und Her ausfallen, und Nico bekam für Mittwoch einen neuen Termin mit dem berühmt-berüchtigten Bob.

Ins Wasser fiel dann auch meine erste Stunde im Wasserflugzeug, obwohl Andreas und ich am Vormittag von Shaun bereits theoretisch unterwiesen worden waren. In erster Linie gab es Probleme mit der Ins-Wasser-Lassen-Logistik, zudem war es aber auch ungemütlich windig und warm. Die knallgelbe Piper Cub hat nur 65 PS unter der Cowling, ist ansonsten aber in einem hervorragenden Zustand, und Shaun schien selbst ein wenig unglücklich, nicht erst ins Wasser und dann in die Luft kommen zu können. Dafür hat Shaun Andreas und mir die theoretische Unterweisung fürs Wasserfliegen zuteil werden lassen, was auch schon recht eindrucksvoll war. Kurzer Check vor dem Gasgeben: CARS – Carbheat (off), Area (clear), (Water)Rudder (up), Stick (back). Shaun: „Crazy – we fly airplanes and think of cars“.

Am Sonntag (23.11.) hatte ich Nico sei Dank ein besonderes Highlight: Nachdem er große Teile seines Jahresurlaubs bei der Flugausbildung hier „verbrät“, wollte er auch noch etwas anderes sehen und lud mich ein, ihn ins Kennedy-Space-Center zu begleiten. Ich hatte Vorurteile bezüglich zu sehr auf Unterhaltung und zu wenig auf Information ausgerichteter Präsentation des Museums, die sich aber zum Glück nur teilweise als richtig erwiesen. Während der langen Busfahrt über das riesige Gelände gab es ein paar Alligatoren zu sehen.

Enormer Stolz auf Erreichtes zeigte sich bei der Multimedia-Präsentation des Apollo-Mond-Projekts, immer wieder wurde an das „We“, das Wir-Gefühl appelliert. Rückblickend und von außen betrachtet haben die Amerikaner aber auch einigen Anlass, sich hier zu bejubeln, war es doch eine ganz schöne Gemeinschaftsleistung dieser Nation, die vor allem, abgesehen von militärischen Spin-offs, nahezu rein zivil war und auch einige ganz brauchbare wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht hat. Einzelpersonen wurden nicht besonders gewürdigt, und von Braun kam nur ein paar Mal kurz ins Bild.

Zwangsläufig Gänsehaut bekam man beim simulierten Countdown in der originalen Schaltzentrale des Apollo-Programms und dann noch einmal, als man durch einen Nebelvorhang in die Sonderhalle mit dem ehemaligen Shuttle „Atlantis“ gebracht wurde. Die Katastrophen der Raumfähren „Challenger“ und „Columbia“ wurden bei den Tonbandvorträgen nicht erwähnt, aber auf die 1967 in Vorbereitung auf Apollo verbrannten drei Mercury-Astronauten wurde als Wegbereiter besonders eingegangen. Interessant war auch der Kleinbus, der die Raumfahrer zu den über 100 Meter langen Apollo-Raketen gebracht hat – er hat mich ein wenig an einen Gefängnistransporter erinnert.

Auf der Heimfahrt hatte der arme Nico trotz eines ansehnlichen Burgers im Spacecenter dann große Sehnsucht nach Kaffee und Dunkin-Donuts, die wir nach einigen vergeblichen Versuchen doch noch auf der Strecke fanden.

Der Montag begann wieder mit einem schönen Strandspaziergang bei gutem Wetter. In der Schule schaffte ich es, einen Artikel für einen meiner zahlreichen Auftraggeber vorzubereiten, und am Nachmittag konnte ich bei Burkhard und seiner Lehrerin Katya in der Cessna mitfliegen. Außerdem hatte die gute Seele der Schule, Bettina, ihren Geburtstag und es gab eine sehr amerikanische Fettcreme-Torte.

Dienstag, der 24.11. war komplett verregnet, ich habe gelesen und den vorbereiteten Artikel geschrieben. Am Mittwoch dann hatte endlich Nico auch seine CPL-Prüfung bei Bob und seiner immer irgendwie präsenten Frau Barbara, die alles laienhaft erklärt bekommen muss. Breit grinsend und von Bob wiederholt gelobt („he is s very good pilot, ey!“) kam Nico von einem verspätet begonnenen und dann auch noch sehr langen, bis in die beginnende Nacht reichenden Prüfungsflug zurück. Ich wäre chancenlos gewesen – meine letzte Nachtlandung liegt inzwischen fast ein Jahr zurück!

Donnerstag hatte die Schule zu – THANKSGIVING, da geht gar nichts. Andreas hatte uns allen einen Komplett-Turkey mit entsprechenden amerikanischen Zutaten spendiert, und Ralph und Burkhard hatten nach einem weiteren Strandspaziergang die Zubereitung übernommen. Die Beilagen wie Maispampe und Marshmallow-Creme (an die originalen Bezeichnungen kann ich mich nicht mehr erinnern) waren nicht so unseres, aber der Truthahn hat auch nur mit Beck’s gemundet! Danke, Jungs!

Inzwischen merkte ich auch gut, dass ich zu wenig zum Radfahren gekommen war, da immer einer der Mitbewohner einen Autoplatz anzubieten hatte. Die letzte Fahrt am Sonnabend drauf war richtig mühsam nach all den Kalorien!

Letzter Höhepunkt vor meinem unspektakulären Rückflug nach Berlin war am Sonnabend dann mein leider einziger Wasserflug mit Shaun – für die Fliegerrevue habe ich eine Reportage geschrieben, hier der Bericht

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Also, damit ist das Hauptziel geschafft, und ich habe einen Berufspilotenschein. Zum Wasserfliegen MUSS ich noch einmal herkommen. Inzwischen bin ich mir aber auch sicher, dass ich die IFR-Fliegerei doch noch nicht ganz an den Nagel hänge und vielleicht die erforderlichen Stunden zur Umschreibung in einen europäischen Schein sammeln werde. Und: Nach einem sehr informativen Gespräch mit Nico schaue ich mir mal die ATPL-(Air Traffic Pilot License)Theorie an, deren Absolvierung Voraussetzung für eine europäischen CPL wäre.

Unerwartetes Zwischenfazit. Man lernt nie aus!

Fortsetzung folgt…

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Saint Augustine, 18.11.2014

Am Sonnabend (15.11.) konnte ich umziehen: Burkhard war so nett, meinen Koffer von Casa Yallaha in seinem Fiat 500 abzuholen, was angesichts des winzigen Kofferraums gerade so eben ging. Ich hingegen fuhr mit meinem „Huffy“-Bike zur Schule, wo ich erstmal mit Nico und dessen Fluglehrer Jephter Theorie lernte, konkret zur Planung der Überlandflüge. Anschließend waren die beiden so nett, mich hinten mitzunehmen und über ihre Schultern blicken zu lassen.

In der Nähe des Flughafens gibt es eine kleine Siedlung mit ärmlichen Behausungen. An diesem Abend hing eine dichte Rauchglocke darüber, weil am Straßenrand jemand Müll verbrannte. Gerade fragte ich mich, was man hier wohl unternimmt, wenn einen das stört, da knallte in der Nähe ein Schuss. Ich hoffe nicht, dass das die Antwort war…

Der Abend klang dann nach etwas längerer Radfahrt (nun knapp 40 vs. vorher 30 Minuten je Strecke) extrem gemütlich im großen Wohnbereich des Condos mit Burkhard, Nico und Andreas aus. Andreas ist der ideale Drillmaster und trietzt uns regelmäßig mit Quizfragen zur Theorie. Extrem gutes Training!

Der Sonntag war der autodidaktischen Theorieaneignung gewidmet, da Matthiew nicht da war und auch erst am Montag wieder kommen wollte. Nico fragte bereits nach einem Prüfungstermin und musste erfahren, dass die Auswahl gering war. Auch Andreas fragte, und ich bekam plötzlich Panik, letztlich ohne Datum für den Checkride dazustehen. Angelika am Counter kam ins Rotieren bei all den Anfragen. Und mir fehlte noch das endorsement des Fluglehrers, das die Prüfungsreife dokumentiert. Matth war ja nicht da! Leichte Panik – Shaun, der Chief Flightinstructor gab mir dankenswerter den Schrieb, und Angelika schaffte einen Termin mit Richard Tillery, der mich bereits beim IFR-checkride am 6.12.2013 examinierte. Ich bekam ein Überlandziel in North Carolina zu planen (Raleigh-Durham Int’l, KRDU) und hatte nun den offiziellen Prüfungstermin am 21.11. in der Tasche. Spannender Tag!

Ein geplanter Flug am Montag (17.11.) musste wegen schlechter Sicht ausfallen, und so schauten Matthiew und ich uns die Überlandflug-Planung an – letzte Theorie-Einheit vor der Prüfung. Dafür gingen wir alle miteinander am Abend ins Steakhouse „Longhorn“ und hatten ein sättigende und wiederum gemütliches Miteinander bei Bier und Fleisch. Andreas und Burkhard haben beide Autos, und auch Nico macht netterweise gelegentlich Umwege für mich, und so komme ich kaum noch zum Radfahren…

Der heutige Dienstag (18.1.) war mit zwei mehr oder weniger befriedigenden Flügen ausgefüllt, die uns unter anderem zu möglichen „diversion“-Zielen am Rande der geplanten Flugroute für den Checkride führten. Diversion ist die Kunst, kurzfristig im Flug zu einem anderen Ziel umzuplanen, sei wegen schlechten Wetters auf dem ursprünglichen Kurs, wegen technischer Probleme oder erkrankter Passagiere. Man überschlägt den neuen Kurs, die Flugstrecke, die erforderliche Zeit und den Kraftstoffverbrauch, ändert den Kurs und fliegt das neue Ziel an. Meist ist das dann zugleich der Flugplatz, an dem Landungen demonstriert werden müssen. Matthiew war mit meiner Planung ganz zufrieden, dafür machten mir die CPL-Manöver plötzlich wieder Probleme. Ich würde sooo gerne einmal eine kontinuierliche Leistungssteigerung erleben!

Saint Augustine, 14.11.2014

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Nette Runde: Andreas, Nico, Burkhard (v.l.n.r.)

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Unser Kuehlschrank: Becks und Homomilk
(steht so auf dem Kassenzettel)

Und schon wieder sind drei Tage rum. Gestern hatte ich in Summe seit meiner Ankunft zehn Flugstunden positiv im Flugbuch und negativ auf meinem Bankkonto stehen, dabei viele neue Erkenntnisse gewonnen, die eigentlich doch sehr dafür sprechen, das Ganze besser sein zu lassen, aber Matthew S. hat das erste Mal von einem Prüfungstermin nächste Woche gesprochen – und so fühle ich mich auch. Noch nicht prüfungsreif, aber auf bestem Wege. Die Manöver klappen ganz ordentlich, einzig die Setups für die diversen überzogenen Flugzustände (power-on stall, take-off und departure, power-off stall) muss ich mir noch so einhämmern, dass es ohne großes Nachdenken funktioniert.

Gestern (Do., 13.11.) flog auch der Zwickauer Nico hinten bei mir mit- er hat einen europäischen Berufspilotenschein und macht jetzt das gleiche hier wie ich, um das amerikanische Analog zu erhalten. Größter Schnitzer bei diesem Flug war das vergessene Fahrwerk für die Notlandeübung – im Nachhinein (für den Prüfer) hätte ich es angesichts der ausgewählten Landefläche auf einem gepflügten Feld auch auf den weichen Untergrund schieben können. Ändert aber nichts dran, dass ich es vergessen habe, trotz derlärmenden Warntröte im Cockpit. Konsequenz: CHECKLISTE!

Heute habe ich mich erstmals in den Staaten überhaupt getraut, ein Flugzeug voll eigenverantwortlich zu bewegen, also ohne Lehrer. Andreas war so mutig, mich zu begleiten, und seine Anwesenheit war sehr nützlich- gute Tipps! Hauptnutzen neben mehr Übung der Manöver – mehr Selbstvertrauen, von der Landung aber schreibe ich lieber nichts…

Heute ist auch meine letzte Nacht im Casa Yallaha- morgen ziehe ich zu Burkhard ins Condominium, muss also heute noch packen. Und Theorie lernen.

Saint Augustine, 11.11.2014

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Wohnecke im „Condo“

Der „Herren-Abend“ mit Burkhard, Ralf und Andreas in Burkhards „Condom“ war sehr nett, Pizza und Bier und ein traumhaftes Quartier, in das ich demnächst mit einziehen darf: Burkhard wohnt ab sofort allein in der Wohnung mit drei Schlafzimmern, zwei Bädern und Küche (condominium). Deutlich bequemer als im Sechsbett-Zimmer in Casa Yallaha, und wenn man sich rein teilt auch kaum teurer… Die „Condoms“ gibt es über Rainer von der Flugschule, der drei davon vermietet.

Ralf war so freundlich, mich halb elf zurückzufahren, denn mit dem Fahrrad ist es doch ein ganz schönes Stück.

Am Sonntag ein Navigationstraining (vorab als groundschool) mit Matthew S., einschließlich „diversion“, also überschlägiger Kalkulation eines alternativen Flugziels. Für mich war das Fernandina Beach, ein unkontrollierter Platz nördlich von St. Augustine, fast direkt am Wasser. Lief ganz ordentlich, aber Ziellandeübungen sind wieder ein Problem…

Der Montag (10.11.) war IFR, tiefe Wolken, häufig Regen. Dennoch habe ich mich zu Wal-Mart aufgemacht, um endlich ein Batterielicht für mein „Huffy“-Bike zu erstehen- jetzt bin ich endlich auch im Dunkeln legal unterwegs (vor ein paar Tagen gab es ja noch einen Polizei-Rüffel). Dann habe ich Theorie gelernt und Wäsche gewaschen, und schon war wieder ein Tag rum.

Heute habe ich einen Flug um zwei. Meinen seinerzeitigen IFR-Prüfer Rich habe ich heute auch das erste Mal wieder gesehen – fast unverändert, doch jetzt mit Bart.

Saint Augustine, 8.11.2014

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Burkhart beim Preflight

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Die „neue“ 5242V

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Burkhart im Cockpit

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Es wird gebaut in KSGJ

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2000ft – shore out of range

Und schwupp, schon wieder sind zwei Tage um, und zwei weitere Flüge habe ich gemacht. Am Donnerstag (8.11.) nervte in der zweiten hier verfügbaren C-172RG, 6376V, bei eingefahrenem Fahrwerk und der geringsten Leistungsreduzierung permanent die Fahrwerkswarnung (tröt-tröt-tröt-tröt). Dummerweise ist bei einigen CPL-Manövern auch das Fahrwerk zu bedienen, und so nervt das Geräusch, tierisch! Die Manöver selbst, Chandelle (full power Steigflug mit 180 Grad Kursänderung) und Lazy Eight (zwei 180 Grad Kurswechsel mit Steig-und Sinkflug bei dauernder Änderung von Pitch (Längs-) und Bank (Querneigung) klappten diesmal mit Matthew Stevenot an Bord erstaunlich gut.

Am Freitag hatte ich laut Plan 10 Uhr eine Stunde mit einem anderen Matthew (Warden), wurde aber nach Ankunft kurz vor neun informiert, dass wir erst 16 Uhr fliegen sollten. Viel Zeit totzuschlagen und vor allem: 18 Uhr ist es finster und ich habe KEIN Licht! Nutzte nichts, ging nicht anders. Von 10 bis zwölf bin bei IFR-Schüler Burkhard hinten mitgeflogen und fühlte mich in 2000 Fuß weit draußen über dem Atlantik nicht so richtig wohl. Klar, man hat die Küste noch gut sehen können – aber für einen Gleitflug nach Motorpanne hätte es definitiv nicht gereicht.

Die 6376V war immer noch wegen unserer Fahrwerkswarnungs-Klage („Squawk“) nicht nutzbar, die 5424V hatte nur noch ein paar Stunden bis zur 100-Stunden-Kontrolle und muss am Dienstag für einen Checkride zur Verfügung stehen – aber wir bekamen sie trotzdem. Der Flug dann mit dem zweiten Matthew lief nicht sooo toll – plötzlich Lücken bei den Manövern, die gestern noch gut waren, und auch die Landungen, naja. Aber ich sehe Land, deutlich. Und ich fühle mich endlich richtig wohl- nur Fliegen und Theorie, nichts anderes. Noch drei Wochen lang!

Heute (8.11.) wollten Matthew Stevenot und ich zweimal fliegen, einmal um zehn und dann um zwei. 6376V wurde dann erst um zehn in die Werkstatt geschleppt – also kein Flug, dafür ein wenig Groundschool mit Matth, da ist erstaunlich viel hängen geblieben. Mal sehen, ob 6376V nachher geflogen werden kann…

Update: 6376V fliegt ohne Warntroete (US-Tastatur, keine Umlaute), und ich flog, sagen wir, ganz gut. Mein Angstmanoever Lazy Eight klappt im Rahmen der Toleranzen, und auch die Ziellandeuebungen werden besser. Es war der bislang beste Flug meiner CPL-Schulung. Es koennte sein, dass ich bald soweit bin – cross fingers, folks!

Ich muss jetzt schnell hier weg – kein Licht und zu viele Sheriffs. Burkhard holt mich nachher auf ein Bier ab und will mir sein Quartier zeigen. Stay tuned!

CPL in Florida, 2. Anlauf 11/2014

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Anflug auf Chicago O’Hare

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 Mein Drahtesel von Wal-Mart, im Hintergrund Willkommensgruss der Flugschule

Saint Augustine, 5.11.2014

Gestern bin ich angekommen, nach einem bequemen (die A330 von Air Berlin nach Chicago war nur zu gut zwei Dritteln ausgelastet, und ich hatte sowohl einen Fenster-, als auch einen Gangplatz zur Verfügung) und schlaflosen (Filme: Die Vermessung der Welt und die unsäglichen Til-Schweiger-Filme Kokowääh und Kokowääh 2) Neuneinhalb-Stunden-Flug ohne unangenehme Überraschungen bei der Einreise. Musste nach den anschließenden zwei Stunden zwischen Chicago und Jacksonville in einer rappelvollen E-175 von American Eagles nur etwas auf die Abholung durch den netten Paul warten, der gebürtiger Kosowo-Albaner ist und eigentlich Passch heißt. Paul hatte auch mein Fahrrad dabei, nagelneu und ungefahren- ein Ami-Cruiser ohne Schnickschnack wie Bremsen (nur Rücktritt), Licht (nur Reflektoren), Gepäckträger (nur mein Rucksack) oder Klingel (nur meine Stimme), dafür hübsch mit geschwungenem Rahmen und roten Felgen und einem bescheuert weit ausladenden, Hirschgeweih-artigen Lenker.

In Casa Yallaha, meinem Stamm-Hostel, habe ich ein oberes Bett im Sechsbettzimmer gefunden, das auch nur zu zwei Dritteln belegt ist, und schlief dann tief und fest für knapp sieben Stunden. Gegen acht wollte ich los, doch es regnete warm und stetig. Halb neun dann endlich nur noch Geniesel und ich fuhr meine acht Kilometer in der üblichen halben Stunde bis zum Flugplatz, trocken. Großes Hallo, wieder nette Gesichter, natürlich auch neue, Fachgesimpel und ein wenig theoretische Vorarbeit, ehe Matthew, mein Lehrer vom ersten CPL-Versuch im März, mit mir anderthalb Stunden Groundschool machte, die erfreulich wenig Wissenslücken offenbarte. Klar, es gibt noch viel zu Lernen, ist aber schaffbar! Der anschließende Flug in der neu lackierten, aber innen immer noch ziemlich heruntergerittenen C-172RG N5494V brachte schnell die nötige Routine, nur die Landungen waren deutlich optimierbar. Ich schiebe es mal auf den Jetlag – morgen besser!

Neuerdings gibt es in St. Augustine auch eine Linienverbindung mit A319 von Frontier nach Denver, da müssen die Kleinflugzeuge dann auch mal warten…

Der Abend klang aus bei einem der legendären Flight School Dinner im Restaurant Black Fly jenseits der Zugbrücke Bridge of Lions. Die Pizza Funghi war so groß, dass die Reste morgen noch für ein Mittagessen reichen!

Vierte Woche – es muss mal wieder weitergehen…

Privatplatz bei Jacksonville

Privatplatz bei Jacksonville

My home, my pool

My home, my pool

Flugplatz Craig bei Jacksonville

Flugplatz Craig bei Jacksonville

Ordentliches Amerika

Ordentliches Amerika

Arbeitsplatz eines IFR-Piloten

Arbeitsplatz eines IFR-Piloten

Arbeitsplatz eines unrasierten Luftfahrtjournalisten

Arbeitsplatz eines unrasierten Luftfahrtjournalisten

Kennedy Space Center

Kennedy Space Center

Kreuzfahrthafen Melbourne

Kreuzfahrthafen Melbourne

Über Wolken, durch Wolken, unter Wolken nach St. Augustine

Über Wolken, durch Wolken, unter Wolken nach St. Augustine

„Right rudder, right rudder, press that right rudder“ – oh Matthew, das werde ich so schnell nicjt aus meinem Kopf bekommen. Das hohe Drehmoment des nagelneuen Motors, der seit wenigen Tagen in der RG N5242V werkelt, bringt alle meine Mühsam antrainierten Triebwerkseinstellungen durcheinander. „Lazy Eights“ („let it down, let it down.let the nose come down!“) und „Chandelles“ sind immer noch ein Thema. Am Mittwoch dann endlich relativ gut gelungene Manöver, nachdem ich gelernt hatte, nicht mehr nur auf die Instrumente (Quer- und Längsneigung, Kurs) zu sehen, sondern mich am Horizontbild zu orientieren und markante Punkte im Gelände anzupeilen. Nie, nie, nie hätte ich gedacht, das diese Figuren so kompliziert wären. Sie verlangen unheimlich viel saubere Koordination und fließende Bewegungen.

Aber das kommt. Nur eben nicht bei diesem Aufenthalt, der nun zu Ende geht. Mir fehlt eine Woche, um wirklich reif für die Prüfung bei Richard Tillery zu sein, mit dem ich schon fast eine Termin vereinbart hätte. Das theoretische Wissen für das „Oral Exam“ habe ich drauf, ich kann Langstreckenflüge planen und bin auch auf „Diversions“ vorbereitet. Ich finde mich durch Power-on und Power-off Stalls, und auch Strömungsabrisse im Kurvenflug sind kein Problem mehr.

Aber am Donnerstag morgen nach kurzem Gespräch mit Matth habe ich dann doch eingesehen, dass es keinen Sinn hat, die Sache zu forcieren. Für das Seaplane-Rating muss ich ohnehin zurückkommen – warum also nicht vorher „in Ruhe“ (wird es die jemals geben?) auf den Checkride vorbereiten und dann auch wirklich gleich bestehen. Dafür muss ich in den kommenden sechs Monaten (ich plane, im Oktober oder November, wenn das Florida-Wetter sich wieder stabilisiert haben sollte, zurück zu kommen) vor allem den Theoriestoff in meinem alten Hirn behalten und kann vielleicht auch noch die Manöver mit meinem „Junior“ D-EGIC üben – der ist zwar nicht „complex“, aber mit einer erweiterten Checkliste kann man auch den Verstellpropeller und das Einzieh-Fahrwerk simulieren.

Zwei schöne Hinten-Mitflüge bescherten mir Klaus aus Berlin (Umgebung Jacksonville, Anflüge auf Craig) und vor allem Olaf aus Jülich, der gerade über dem IFR-Stoff sitzt und schwitzt, aber wesentlich routinierter unterwegs ich, als ich seinerzeit bei meiner IFR-Schulung (die ja auch erst ein paar Monate zurückliegt). Olaf plante mit Jeff einen langen IFR-Flog über Melbourne und Orlando im Süden zurück nach Saint Augustine, und ich war als „Edelballast“ und fotografischer Begleiter hinten mit dabei. Besonders eindrucksvoll waren der nahe Vorbeiflug am Kennedy Space Center mit den nun verwaisten Montagestätten und der fast fünf Kilometer langen Landebahn für das Space Shuttle, sowie die knappe Unterfliegung des Anflugbereichs auf Orlando International, unter dem der Geschäftsreise-Flugplatz von Orlando liegt. Außerdem ging es mit IFR-Flugplan immer wieder auch durch Wolkenschichten hindurch, und das ist in so kleinen Flugzeugen ein sehr direktes Erlebnis! Danke dafür!

Heute, Sonnabend, bleiben mir nur noch einige wichtige Vorarbeiten für meine kommende Woche, während der ich wieder für die Fliegerrevue von der Messe AERO in Friedrichshafen berichten werde und hoffentlich einen Teil des Geldes verdiene, das ich dann in sechs Monaten hier wieder verfliegen werde…

Bis dahin – stay tuned!